Es ist wieder soweit!

Astrid und ich sitzen im Flieger nach Athen. Wir freuen uns sehr auf unser Team in Marousi, das sich jeden Tag um die Streuner kümmert, sie füttert, kranke Tiere versorgt und nicht kastrierte zum Kastrieren fängt und danach wieder freilässt.
Doris und Reinhard sammeln uns am Flughafen ein und auf dem Weg machen Doris, Astrid und ich uns auf die Abendrunde.
Es ist immer eine Freude zu sehen, wie schnell die Katzen aus allen Ecken kommen, sobald sie das Rappeln von Doris‘ Futterdose hören. Egal wer kommt: Die Streuner werden versorgt! Wir sind etwas später dran, aber sie warten auf „ihre Doris“ mit der Futtertasche. Einige erkennen wir sofort wieder.
Doris kennt sie alle mit Namen, wir erinnern uns an die liebe Charlotte und den charmanten MM.



Nach der Fütterrunde geht es zu Doris und Reinhard nach Hause. Hier hat sich einiges verändert: Im letzen Jahr sind drei ihrer Pflegekatzen gestorben. Aber dafür hat Doris anderen Fellchen ein Zuhause gegeben, die es als Streuner schwer hätten. Zudem sind da noch weitere Streunerchen, die separat gepflegt werden, bis sie wieder an ihre Futterstelle zurückkönnen.
Wir haben uns viel zu erzählen und so vergeht der erste Abend wie im Flug.
Tag 1
Bei der Morgenrunde wollen wir versuchen, Katzen zum Kastrieren zu erwischen. Daher sind wir mit dem Auto unterwegs mit Fallen, Fangkörben und Futter.


An den Futterstellen Wo der LKW stand und Filia werden die bereits kastrierten Katzen vorher noch gefüttert.
„Unsere“ Streuner sehen richtig gut aus und es ist immer wieder schön zu sehen, dass es unter ihnen keinen Streit ums Futter gibt. Nicht wenige holen sich noch eine Streicheleinheit von Doris ab.


Und weiter geht es zur nächsten Station. Hier wollen wir versuchen, eine Katze zu fangen.
Die eigentlichen Vorbereitungen laufen schon seit Tagen, in machen Fällen auch Wochen – wie das Anfüttern in Körben, um die Streuner an die spätere Falle zu gewöhnen.
Das nimmt viel Zeit in Anspruch, aber am Ende zahlt sich jede Minute aus, denn mit dieser guten Vorbereitung, leckerem Futter und Doris‘ Erfahrung geht die erste Katze in die Falle, wird mit geübten Griffen in den Transportkorb umgesetzt und ins Auto gebracht.




Nächster Stop, eine ehemalige Fangstelle, die zur Futterstelle Pali wurde. Hier wird Doris von den Streunern schon erwartet. Die Futterdose rappelt und sie kommen aus Büschen, hinter Mauern und unter Autos hervor. Die Streuner hier werden nicht nur regelmäßig mit Futter versorgt, ihr Gesundheitszustand wird ebenso beobachtet. Es besteht ein großer Handlungsbedarf, denn die Streuner haben immer wieder mit Infektionen der Atemwege zu tun.






Weiter geht es zur nächsten Fangstelle, wo die Tiere bereits in den letzten Tagen und Wochen beobachtet wurden. Hier kommt Doris‘ akribische Dokumentation zum Einsatz, denn sie kennt die bereits kastrierten Tiere.
Die Fallen werden aus dem Auto geholt und aufgestellt. Wir lernen eine weitere Fangmethode kennen: ein Korb, der von oben über die Katze gesetzt wird. Das ist praktisch, funktioniert aber nur, wenn die Katzen etwas zutraulicher und ruhiger sind. Doris schaut beim Fangen gezielt danach, ob ein Tier krank ist und eine Behandlung in der Klinik benötigt.



Ein kleiner schwarzer Kater hat es Astrid besonders angetan und wird in den Fangkorb gelotst. Er bekommt den Namen Willow.

Der nächste Stop ist eine Futterstelle, die bereits von Anwohnern mitversorgt wird, was man an dem liebevoll gestalteten Häuschen sehen kann. Ist jemand z.B. im Urlaub fährt Doris zum Füttern oder um nach dem Rechten zu sehen dorthin.
Es zeigt sich, wie wichtig es ist, die Anwohner zu sensibilisieren und immer wieder auf das wichtige Thema der Kastration hinzuweisen. Was daraus entstehen kann, haben wir hier live sehen können.


Beim Füttern der Katzen fällt eine Katze auf, die unkastriert scheint. Wir hoffen alle drei darauf, dass unser Glück anhält. Doris startet einen Fangversuch.
Katzen für die Kastration zu fangen, erfordert viel Erfahrung, besonders bei den scheuen und mißtrauischen Vertretern. Also ziehen Astrid und ich uns zurück und schauen einem Profi bei der Arbeit zu 😉


Schließlich sind die jungen und die bereits kastrierten Katzen satt genug und stören nicht weiter. Der Korb wird anders positioniert, damit sich Doris auf die zu kastrierende Katze konzentrieren kann. Wir halten mehr als einmal den Atem an …
Zum Glück kennt die Katze Doris schon ein bisschen und ist so hungrig, dass sie sich Bröckchen für Bröckchen und Schritt für Schritt in die Falle locken lässt.
Es klappt!


Nun geht es zurück nach Hause. Pause?
Nein – jetzt werden die Streuner fotografiert …



und in der Garage in saubere Körbe umgesetzt.



Im Anschluss daran müssen die Fangkörbe noch gründlich gereinigt werden, damit sie für den nächsten Einsatz bereit sind.

Danach einmal kurz durchatmen.
Der Zeit- und Kraftaufwand alleine an diesem Vormittag ist wirklich enorm, aber an den Futter- und Fangstellen ist deutlich zu sehen, dass sich diese Arbeit lohnt. Die kastrierten Tiere sehen gesund aus, ebenso die wenigen jungen, die bald kastriert werden. Das liegt auch daran, dass kastrierte Mütter bei ihrem Nachwuchs bleiben und sich nicht wieder paaren.
Am Nachmittag geht es auf die zweite Runde.
Wir sehen Erfolge, denn in diesem schon über zehn Jahre betreuten Gebiet gibt es keine Kitten! Sobald Doris einen unkastrierten Streuner sieht, kommt er auf „die Liste“. Doris‘ akribische Dokumentation macht es möglich, die Bewegungen der Streuner nachzuvollziehen aber auch, wer wann kastriert oder medizinisch behandelt wurde.

Astrid:
Ich durfte „First Lady“ kennenlernen und Charlotte und Mana trafen wir wieder. Bei jeder Fütterrunde freute ich mich darüber, dass einige Streuner meine Nase anscheinend schon ein kleines bisschen kannten, denn auch mir streiften sie um die Beine, gaben Köpfchen und ließen sich kraulen. Meine kleinen Glücksmomente, denn es waren einige schwarze Streuner darunter, die ich regelmäßig ein wenig kuscheln konnte.


Am Abend haben wir noch volles Programm:
Wir treffen uns mit Katerina. Sie ist eine Seele von Mensch und kümmert sich mit Herzblut um kranke Katzen.

Einige durften bei ihr einziehen: Faza, die Katerina als Baby fand und die nun schon 13 Jahre bei ihr ist, Boubou, Loukas und andere ehemalige Streuner. Katerina hat eine Futterstelle „mit Familienanschluss“. Auch Kater Loukas ist ein schönes Beispiel. Er wurde vor über drei Jahren als Kitten gefunden, seine Chancen standen schlecht – heute ist er ein toller Kater geworden.



Zum Glück haben wir Doris als Simultandolmetscher dabei, alles andere geht über die internationale Sprache „Hand und Fuß“ 😉
Viel zu schnell vergeht die Zeit und so heißt es wieder „bis zum nächsten Mal!“.

Aber der Abend ist noch jung und wir treffen Spiros. Auch hier ist die Wiedersehensfreude riesig. Ausgestattet mit Stirnlampe, Futtereimer und natürlich Futter, gehen wir gemeinsam durch die fast leeren Straßen Marousis.


Spiros immer umringt von einigen Katzen. Er schaut nach dem Rechten, füllt Futter nach und überprüft mit geübtem Blick den Gesundheitszustand der Streuner oder ob sie noch unkastriert sind.

Auch in seinem Gebiet sieht man positive Veränderungen durch die unermüdliche Aufklärungsarbeit. In einer ruhigen Ecke wurden z.B. ein paar Schlafhäuser für die Streuner aufgebaut. Einige Anwohner füllen Futter- und Wassernäpfe.


Kater Bochum zeigt sich. Schön zu sehen, wie toll er sich seit dem letzten Jahr entwickelt hat. Und die kleine Claudia II ist auch wieder dabei.


Spiros bespricht die nächsten Aktionen mit Doris, denn in seinem Gebiet gibt es noch zwei unkastrierte Katzen mit ihren Kitten.


Es sind die einzigen! Auch hier zeigt sich das Ergebnis von systematischem Kastrieren in einem Gebiet.
Leider geht diese Runde bald zu Ende und schon wieder heißt es „Bis zum nächsten Mal!“.
Tag 2
Am nächsten Morgen geht es flott los. Vor der Fütterrunde können wir die vier Katzen vom Vortag direkt zu unserer Tieräztin Giuliana bringen, wo sie vor der Kastration durchgecheckt werden.

Katze Metaxia muss erst einmal beobachtet und aufgepäppelt werden. Kater Carlos hat schlechte Zähne, die in Narkose gleich mit gezogen werden. Kater Willow kommt später zu Doris in Pflege und wird behandelt, bis sich sein Stuhlgang gefestigt hat. Katze Niki wird „nur“ kastriert.
Nachdem die 4 Streuner in ärztlicher Obhut sind, konzentrieren wir uns natürlich wieder auf unsere Fütterrunde, wo Doris bereits erwartet wird.






Unser nächstes Treffen ist mittags bei Eleni, bei der ebenfalls einige ehemalige Streuner ein Zuhause gefunden haben. Wie alle vom Team Marousi steckt sie viel Zeit, Herz und Energie in die Streunerhilfe.

Hier wird Astrid Kater Charis in besonderer Erinnerung bleiben. Der Herr ist der geborene Frisör, was zu vielen Lachern führt und Astrid zu einem neuen kreativen Styling verhilft.



Nach dem leider nur kurzen Besuch geht es zum kulturellen Teil des Tages über: mit Reinhard auf nach Athen.
Heute ist der 17.11.2025 ein Tag der Demos in der Innenstadt mit Sperrungen und viel Polizei. In diesem Jahr sind wir gegenüber der Akropolis unterwegs, kommen am sog. Gefängnis des Sokrates vorbei sowie am Platz der Volksversammung mit einer Sonnenuhr und einem Altar des Zeus.
Der Blick ist schlicht atemberaubend.

Danach schaffen wir es noch in das Akropolis Museum und werden dort fast ausgekehrt. Reinhard erklärt uns all die Dinge, die nicht auf den Beschreibungen oder im Reiseführer stehen!
Was die unzähligen Streunerkatzen betrifft, stellen wir im Zentrum von Athen Veränderungen fest. Man sieht viele Futter- und Wasserstellen und am Fuße der Akropolis stehen sogar Fangkörbe wie wir sie von Doris kennen.
Und wir sehen noch mehr Katzen als im Vorjahr, die als kastriert gekennzeichnet sind.

Auch der Umgang mit den Tieren hat sich für unser Empfinden ins Positive gewandelt. Es wird gekrault und gestreichelt.
Am Abend geht es dann zurück nach Marousi. Wir lernen: Wer an der Haltestelle in den Bus einsteigen möchte, muss winken. Sonst fährt der Bus vorbei.
Tag 3
Los geht es wieder mit der täglichen Morgenrunde. Es ist immer wieder ein berührender Anblick, wie sehr manche Streuner Doris vertrauen. So kann sie auch Zähne kontrollieren, oder nach Verletzungen schauen, damit den Streunern im Notfall schnell geholfen wird.

Weiter geht es zum Kroketa-Geschäft, noch einmal Eleni „Hallo!“ sagen auf dem Weg zur Tierklinik ein paar Meter weiter.


Dort gibt es ein herzliches Wiedersehen mit Giuliana und Desi. Viel Zeit bleibt leider nicht, denn in der Klinik ist wieder viel zu tun.
Ein Notfall-Kätzchen wird gerade gebracht: Magda, Mikas Nachbarin, fand das Kleine an unserer „Fangstelle Mika“ schwer verletzt durch Bisswunden und bringt es zu Guiliana.



Nach der Behandlung sind Guiliana und Desi sehr ernst. Die Kleine wird stationär aufgenommen und bekommt den Namen Zoe, übersetzt: Leben.
Alles wird gut! Zoe macht ihrem Namen alle Ehre, wie im Nachtrag zu lesen ist.
Mittags geht es ans Meer. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch endlos scheinende Berglandschaften. Die Feuer von diesem und letztem Sommer haben Spuren hinterlassen. Aber die Vegetation kehrt langsam zurück.
Vorbei am Heiligtum des Dionysos im gleichnamigen Vorort nördlich vom Pentelis …


und dem Siegesdenkmal der Schlacht von Marathon geht es zur Küste. Dank Doris‘ Mann haben wir viel über die Geschichte dieser Gegend gelernt.


Auch hier begleiten uns wieder einige Streunerkatzen, wie der hübsche schwarze Kerl auf dem Foto.



Am späten Nachmittag zurück in Marousi, geht es zur Fütterrunde. Die letzte für uns bis zum nächsten Jahr. Die schöne Helena zeigt sich uns nochmal in ihrer ganzen Pracht und wir dürfen noch den ein oder anderen Katzenrücken streicheln.

Am nächsten Morgen geht der Flieger zurück nach Düsseldorf.
Und schon wieder heißt es Abschied nehmen.


Wir blicken zurück auf viele wunderbare, berührende, lustige und nachdenkliche Momente. Die Zeit verging wieder viel zu schnell.
Wir sind sehr glücklich und auch ein bisschen Stolz, dass wir als Team in Marousi und Bochum so viel erreichen können!
Trotz Sprachbarriere, kultureller Unterschiede oder Entfernung haben wir Freundschaften geschlossen. Denn uns alle eint nach wie vor, dass wir hinsehen und anpacken, wo sonst keiner hilft.
Unser gemeinsamer Weg für die Streuner geht weiter und wir freuen uns auf das Wiedersehen im nächsten Jahr mit allen Zwei- und Vierbeinern.
Eure Astrid & Claudia
Nachtrag
Zoe wurde unser kleines Weihnachtswunder! Wir hätten nicht gedacht, dass sie es schafft.
Dank Zoes starkem Lebenswillen und der richtigen Therapie kann Doris die Süße nach zwei Wochen zu sich in Pflege holen.


Bald bekommt Zoe die erste Impfung, später die zweite! Sie bleibt bei Doris bis zur Kastration und kommt danach an Mikas Futterstelle, wo sie ein schönes betreutes Streunerleben haben wird.


